Wald und Forstwirtschaft: Waldinventur aus dem Orbit
Die Erdbeobachtung bietet große Potenziale für unseren Umgang mit dem Wald. In Forschung und Planung lassen sich mit satellitenbasierten Karten Veränderungen der Waldbedeckung erfassen und Bestände charakterisieren. So ergänzen Satellitendaten bestehende Walderhebungen, wie die Bundeswaldinventur, die nur in längeren Zeitintervallen stattfinden. Denn etwa die Bilder der Copernicus-Satelliten Sentinel-1 und -2 können je nach Wolkenlage nahezu wöchentlich abgerufen werden. Neben dem Monitoring lässt sich die Fernerkundung auch für Vitalitätsanalysen, zur Erkennung von Baumarten oder Schätzung von Holzvorräten einsetzen.
Waldbrand
Besonders hilfreich ist sie bei der Erfassung von Schäden, insbesondere nach Waldbränden. So konnten die Verantwortlichen sich zum Beispiel nach dem Brandenburger Brand von Treuenbrietzen im Sommer 2018, bei dem 330 Hektar Wald in Flammen aufgingen, mit Copernicus-Satellitendaten einen zeitlich und räumlich hochaufgelösten Überblick über die Lage verschaffen: Welche Bestände waren verbrannt, welche intakt geblieben? Feuerschäden eines Waldes sind per Satellit deutlicher zu erkennen als am Boden, da sie sich in den verschiedenen Bändern des Lichtspektrums durch Verfärbungen sehr klar abzeichnen. Außerdem kostet das Monitoring aus dem Orbit weniger Zeit, Personal und Geld. Und es ist sicherer: Nicht nur, weil am Boden nach einem Brand oft umgestürzte Bäume die Wege versperren, sondern weil im speziellen Fall auch ein ehemaliger Truppenübungsplatz betroffen war, auf dem noch Munition im Untergrund zu befürchten ist.

Schädlingsbefall
Auch bei Schädlingsbefall funktioniert die Satellitenerkennung sehr gut: Werden Wälder zum Beispiel vom Borkenkäfer heimgesucht, so zeigt sich das in ihrem Lichtspektrum, weil sie an Vitalität verlieren und ihren Grünwert ändern. Ob stattdessen Pilzbefall oder eine andere Schadensursache vorliegt, lässt sich in der Regel anhand der Jahreszeit bzw. der Witterungsbedingungen bestimmen, letztendlich aber natürlich durch Beobachtungen am Boden feststellen. In der Regel dienen die Satellitendaten ohnehin als Ergänzung oder Hilfsmittel für eine gezieltere Erfassung von Schäden am Boden, oft werden auch Drohnen oder Flugzeuge eingesetzt. Relativ schwer per Satellit zu analysieren sind Sturmschäden, weil sich diese nur bedingt im Lichtspektrum abzeichnen, und Messungen der Baumhöhen, etwa per Lidar, noch nicht in der nötigen Regelmäßigkeit durchgeführt werden.

Copernicus Fachnetzwerk
Zur fachlichen Unterstützung wurde das nationale Copernicus Fachnetzwerk eingerichtet. Es besteht aus Fachkoordinatorinnen und Fachkoordinatoren, Fachexpertinnen und Fachexperten sowie den Copernicus-Netzwerkbüros.
Um die Potenziale der Fernerkundung im Bereich Wald besser auszuschöpfen, fungiert das am Thünen-Institut für Waldökosysteme angesiedelte Copernicus Netzwerkbüro Wald als Schnittstelle zwischen Fernerkundungsexpertinnen und -experten sowie Waldbesitzenden, Forstbehörden und -betrieben, Forschungseinrichtungen und Firmen. Das Büro unterstützt, berät und vernetzt alle Akteure, die solche Daten und Dienste verwenden möchten. Außerdem sind Interessierte herzlich eingeladen, sich aktiv im Netzwerk einzubringen.
Zur Inspiration und zum Nachschlagen hat das Büro die im Laufe der Jahre entstandenen Projekte, Seminarunterlagen, Datenprodukte und ein Fernerkundungs-Glossar auf https://copwald.thuenen.de/ zusammengetragen. Herunterzuladen oder einzusehen sind verschiedenste Datenprodukte zum Thema Wald auf Plattformen wie https://code-de.org/de/.
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