Archäologie und Kulturgüter: Bewahrung unseres Kulturerbes

Satellitenbilder werden in Archäologie und Kulturgutschutz bereits eingesetzt, seit es Erdbeobachtung gibt. Denn im Vergleich zu Bestandsaufnahmen am Boden oder per Flugzeug bieten sie einige Vorteile: Sie sind ökonomischer, weniger personalaufwendig und auch in schwer oder überhaupt nicht zugänglichen Regionen verfügbar.

Satellitenaufnahmen zur Dokumentation kultureller Städten

Zumindest für eine erste visuelle Inspektion und Aufnahme vom Zustand einer archäologischen oder kulturellen Stätte ist der Blick aus dem All daher ungemein praktisch. Zumal es zu vielen Orten weit zurückreichende Archive von Aufnahmen gibt, die die Entwicklung über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte zeigen. Die des Landsat-Programms zum Beispiel reichen bis in die 1980er Jahre zurück.

Kulturerbe unter Nutzungs- und Umwelteinflüssen

Genauere Untersuchungen sind naturgemäß nur vor Ort möglich. Allerdings wird der Einsatz von Erdbeobachtung in den letzten Jahren immer wichtiger für den weltweiten Schutz von Kulturerbestätten. Naturkatastrophen, Luftverschmutzung, Bergbau, Landwirtschaft, Zersiedlung sowie nicht zuletzt kriegerische Konflikte setzen vielen wertvollen Zeugnissen menschlicher Kultur zu.

Satelliten helfen nicht nur, indem sie ein visuelles Bild von Zustand und Entwicklung der Kulturerbestätten vermitteln. Das Copernicus-Programm hat auch Radardaten und multispektrale Sensorik zu bieten, die unsichtbare Aspekte einer Bedrohung aufdecken. So lässt sich beispielsweise die zunehmende Austrocknung des Bodens in manchen Gebieten messen, das Risiko für Starkregen und Überschwemmungen anhand atmosphärischer und topografischer Daten abschätzen oder eine unmerkliche, aber dennoch gefährliche Setzung des Bodens, etwa infolge naher Bergbauarbeiten, feststellen.

Luftaufnahme
Bodenbewegung Venedig: Der Europäische Bodenbewegungsdienst (EGMS) des Copernicus Landüberwachungsdienstes liefert u.a. Informationen zur Überwachung von Bodenbewegungen in und um Kulturerbestätten. © Copernicus Land Monitoring Service / EGMS (umgesetzt von der Europäischen Umweltagentur). DOI

Copernicus Cultural Heritage Task Force

Die Herausforderung besteht nun darin, die mit der Fernerkundung neu gewonnenen Möglichkeiten für den Kulturgutschutz vollumfänglich zu nutzen. Es gilt, sich international zu vernetzen, damit Behörden und Akteure vor Ort effektive Werkzeuge an die Hand bekommen, um das Kulturerbe bestmöglich zu bewahren. Die EU-Kommission hat daher beschlossen, ihr Copernicus-Programm auf den Kulturgut-Sektor auszuweiten – nicht nur, um das Kulturerbe besser überwachen und schützen zu können, sondern auch, um etwa Besucherströme zu steuern. Denn Kulturgüter werden nicht nur wegen ihres ideellen Wertes erhalten. Sie haben auch große wirtschaftliche Bedeutung: In historischen Regionen sind sie als touristisches Ziel oft ein großer ökonomischer Multiplikator. Hotellerie, Gastronomie, Reisebegleitung und viele andere Sparten hängen von intakten Altstädten, gepflegten Kulturlandschaften und gut zugänglichen archäologischen Stätten ab.

Die 2018 gegründete Copernicus Cultural Heritage Task Force mit Fachleuten aus allen EU-Staaten hat zum Ziel, diese Bemühungen europaweit zu koordinieren. Sie ermutigt Akteure wie Landesdenkmalämter, Museen und Stiftungen dazu, sich zu beteiligen und satelliten-basierte Möglichkeiten zu erschließen.

Copernicus Fachnetzwerk

Zur fachlichen Unterstützung wurde das nationale Copernicus Fachnetzwerk eingerichtet. Es besteht aus Fachkoordinatorinnen und Fachkoordinatoren, Fachexpertinnen und Fachexperten sowie den Copernicus Netzwerkbüros.

Wer Fragen zu Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Archäologie und Kulturgüter hat oder bei Datenzugang und -nutzung Hilfe benötigt, kann sich an den Copernicus Fachexperten Dr. Benjamin Ducke wenden.