Katastrophen- und Krisenmanagement: Lebensrettende Unterstützung aus dem All
In kaum einem anderen Bereich liegt die Bedeutung von Satellitenunterstützung so klar auf der Hand wie im Katastrophen- und Krisenmanagement. Wenn es darum geht, nach verheerenden Erdbeben, Stürmen, großräumigen Explosionen oder noch während extremer Überschwemmungen, Waldbränden oder Dürren den betroffenen Menschen zu helfen, dann braucht es eine besonnene, präzise Planung. Und dafür sind Satellitenbilder, die einen Überblick zur Lage verschaffen, von unermesslichem Wert.
Im Gegensatz zu Landkarten zeigen sie etwa bei Waldbränden, wo die Feuerfront verläuft, bei Hochwasser, bis wo die Flut überall vorgedrungen ist, nach Erdbeben, wo die Schäden am größten und Zufahrtsstraßen womöglich noch passierbar sind. Und das, ohne Rettungskräfte oder technische Geräte in die Gefahrenzone senden zu müssen. Oft – etwa bei Vulkanausbrüchen – ist eine Erkundung vor Ort sogar unmöglich. Die Bilder aus dem All liefern selbst dann wertvolle Infos zur Situation, um die Rettungseinsätze effizient zu koordinieren.
Verfügbarkeit von Satellitendaten in Katastrophenlagen
Allerdings stehen Fernerkundungssatelliten in der Regel nicht stationär über einer bestimmten Region, sondern umkreisen die Erde und können nur in gewissen Zeitfenstern relevante neue Daten erheben. So überfliegen etwa die Sentinel-2-Satelliten denselben Punkt der Erde je nach Standort alle zwei bis fünf Tage. Optische Satelliten benötigen zudem wolkenfreie Sicht, während Radar-Satelliten wie Sentinel-1 auch bei Dunkelheit und Wolken interpretierbare Messungen liefern. Diese Einschränkungen bedeuten, dass aktuelle Bilder einer Region oft erst mit einer gewissen Verzögerung zur Verfügung stehen.
Internationale
Minimieren lässt sich diese Verzögerung, indem man mehrere Satelliten nutzt, um auf eine Katastrophe zu schauen. Dies geschieht beispielsweise im Rahmen der , die Raumfahrtagenturen aus aller Welt vereinbart haben, um Satellitendaten im Katastrophenmanagement zu teilen.
Copernicus
Für Deutschland steht vorrangig der Copernicus-Dienst für Katastrophen- und Krisenmanagement (CEMS – Copernicus Emergency Management Service) zur Verfügung und ist im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) angesiedelt. Das BBK koordiniert die Anfragen an den Dienst z. B. von Ämtern für Brand- und Katastrophenschutz aller Ebenen, Feuerwehren, Hilfsorganisationen oder Technischem Hilfswerk. Beide Mechanismen haben Zugriff auf eine Vielzahl von staatlichen und kommerziellen Satelliten weltweit. Dennoch bleibt immer ein gewisser Zeitverzug, denn auch nach einer erfolgreichen Aufnahme müssen die Daten erst über geeignete Bodenstationen zur Erde gesendet werden, bevor sie für Analysen bereitstehen. In vielen Fällen stehen Daten schon innerhalb weniger Stunden nach einem Ereignis zur Verfügung. Für detailliertere Auswertungen wird mehr Zeit benötigt, da weitere Datenquellen in Betracht gezogen werden. Die Anfertigung dieser Analysen und Auswertungen können daher auch mehrere Tage dauern.
Bei langfristigen, veränderlichen Lagen wie Waldbrand, Hochwasser oder Dürre spielen Satelliten ihre Stärken aus. Weniger bei der täglichen Planung der Notfalleinsätze, sondern eher in der übergeordneten Leitplanung – der Koordinierung der Einsätze etwa durch einen Krisenstab. Auch für die Nachbereitung eines Ereignisses und der Einsätze sind Satellitendaten hilfreich – zumal, wenn sie den Fortgang der Ereignisse über mehrere Tage oder Wochen hinweg festhalten konnten.

Risikoanalysen
Zudem sind die Daten sehr gut geeignet für Risikoanalysen, also zur Vorbereitung auf mögliche Katastrophen. Zum Beispiel fragte die Welthungerhilfe bei den CEMS-Koordinatoren am Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) an, ob sich die landwirtschaftliche Produktivität in einem vom Hunger bedrohten abgelegenen Tal analysieren ließe. Die Organisation wollte Krisenvorsorge betreiben und Hilfsprojekte zielgerichteter planen. Auch solche Analysen sind möglich. Anhand bestimmter Vegetations-Parameter geben Satellitenmessungen darüber Aufschluss.
Nutzende der Daten
Hilfreich ist der Dienst aber nicht nur für entsprechende Behörden und Einsatzkräfte. Auch Betreiber von Infrastrukturen wie der Telekommunikation, Liegenschaftsmanager und Denkmalschutz sowie Rückversicherer und Staatsforsten – um nur einige zu nennen – greifen auf die Daten zu. So ergänzen sie mit den CEMS-Daten die eigenen und optimieren dadurch ihre Analysen von Naturkatastrophen.
Copernicus Fachnetzwerk
Zur fachlichen Unterstützung wurde das nationale Copernicus Fachnetzwerk eingerichtet. Es besteht aus Fachkoordinatorinnen und Fachkoordinatoren, Fachexpertinnen und Fachexperten sowie den Copernicus Netzwerkbüros.
Fachexpertin und Fachexperte für den Copernicus-Dienst für Katastrophen- und Krisenmanagement sind Marie-Luise Kautz und Ruben Piroska vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Wer Hilfe bei der Nutzung solcher Daten benötigt, kann sich an die Beiden wenden.
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