Sicherheit: Amtshilfe aus dem All bei der Verbrechensbekämpfung

Wenn es darum geht, Polizei und andere Ermittlungsbehörden bei ihrer Arbeit zu unterstützen, können Satellitendaten von enormem Wert sein. Um diesen sicherheitsrelevanten Nutzen gezielt zu erschließen, hat die Bundesregierung die nationale Koordination des Copernicus-Sicherheitsdienstes beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden angesiedelt. Die Daten des Copernicus-Dienstes helfen Einsatzkräften europaweit – und über Europa hinaus, wenn es etwa darum geht, die Außenpolitik der EU umzusetzen und stabile Bedingungen für die menschliche und wirtschaftliche Entwicklung zu gewährleisten.

Grenzüberwachung

Ein Schlüsselbereich ist die Grenzüberwachung: Schleusen, illegale Einwanderung, Schmuggel und andere grenzüberschreitende Kriminalität – all das lässt sich mithilfe von Satellitendaten aufdecken und nachverfolgen. Wo die Auflösung der Copernicus-Satelliten nicht ausreicht, um etwa Fahrzeuge zu identifizieren, fragt der Dienst im Rahmen der Contributing Missions höher auflösende Bilder von spezialisierten kommerziellen Anbietern wie Maxar oder Airbus an. Auch Luftbilder, Drohnenaufnahmen und andere Formen der Fernerkundung kommen nötigenfalls zum Einsatz.

Meeresüberwachung

Auf dem Meer lassen sich ähnliche kriminelle Aktivitäten per Satellit aufdecken. Und dazu etwa das illegale Verklappen von Schadstoffen, illegale Fischerei oder das sogenannte Beaching: Ausgediente Schiffe werden in Drittweltstaaten verbracht, um sie dort einfach auf den Strand zu setzen und ohne Einhaltung jeglicher Umweltgesetze abzuwracken. Satellitenbilder lassen genau erkennen, wo welche Schiffe anlanden. In Ergänzung zu herkömmlichen Ermittlungsmethoden können Satellitendaten dazu dienen, die Resultate krimineller Handlungen vor Gericht anschaulich zu belegen.

Abbildung Fischereiaktivitäten vor der Küste von Marokko und Portugal
Illegale Fischerei. Eine Studie mit Sentinel-1-Daten und Künstlicher Intelligenz zeigt: Rund 75 % der industriellen Fischereischiffe weltweit sind für öffentliche Ortungssysteme unsichtbar. Diese „Dark Fleets“ erschweren den Meeresschutz. Credit: ESA, data source: Paolo et al., 2024/Global Fishing Watch, Lizenz: ESA Standard Licence and Additional permission may be required (contact spaceinimages@esa.int for further information)

Umweltkriminalität und Kriegsverbrechen

Auch andere Umweltkriminalität, wie illegale Abholzung, Brandrodung oder der unerlaubte Einsatz von Großmaschinen in der Natur, lässt sich per Satellit nachweisen. Selbst Kriegsverbrechen wurden schon mithilfe von Aufnahmen aus dem All verfolgt und vor Gericht gebracht. Häufig dienen die Aufnahmen auch dazu, Zeugenaussagen zu verifizieren.

Präventive Maßnahmen

Es geht aber nicht immer um Kriminalität. Oft planen Polizei und andere Einsatzkräfte auch die Sicherheitsvorkehrungen für Großveranstaltungen mithilfe von Satelliten. Ob das eine Fußballeuropameisterschaft ist oder ein Kirchentag: Hochauflösende Bilder von oben vermitteln ein aktuelleres und realistischeres Bild als Karten und erleichtern die Entscheidung, wo welche Einheiten positioniert werden oder wie Besucherströme am besten gelenkt werden.

Satellitenbild von der Festwiese in Wittenberg
Monitoring von Großveranstaltungen. Rund 100.000 Menschen versammelten sich zum Abschluss des Evangelischen Kirchentags am 28. Mai 2017 in der Lutherstadt Wittenberg. Das Verkehrs- und Sicherheitsmanagement der Großveranstaltung wurde vom Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) im DLR unterstützt. So konnten die Einsatzkräfte ihre Aktivitäten genauer koordinieren und Vorher-Nachher-Situationen vergleichen. Credit: DLR/ZKI 2017

Copernicus-Sicherheitsdienst

Der Dienst zielt darauf ab, die Politik der Europäischen Union zu unterstützen, indem er Informationen als Antwort auf die sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas bereitstellt. Er umfasst beispielsweise die Überwachung der EU-Grenzen, kritischer Infrastrukturen und relevanter Meeresgebiete. Der Dienst ist in drei Services aufgeteilt und wird betrieben von der Europäischen Küstenwache Frontex, der Europäischen Agentur für Maritime Sicherheit EMSA und dem Europäischen Satellitenzentrum EUSC. Das Bundeskriminalamt steht Nutzern aus Deutschland als Ansprechpartner für den Sicherheitsdienst zur Verfügung.

Zusammenarbeit mit anderen Stellen

Der Copernicus-Sicherheitsdienst arbeitet eng mit dem EU Satellite Center (SatCen) in Madrid, der Agentur zur Kontrolle der EU-Außengrenzen Frontex in Warschau und der European Maritime Safety Agency (EMSA) in Lissabon zusammen. Diese von der EU beauftragten Einrichtungen bestellen Satellitenaufnahmen, um damit beispielsweise Einsätze von Europol zu unterstützen, dem europäischen Zusammenschluss der Polizeibehörden zur Verfolgung grenzüberschreitender Kriminalität. Aber auch andere polizeiliche Stellen, das Bundeskriminalamt selbst sowie weitere Behörden können auf den Dienst zugreifen.

Ein Unterschied des Bereichs Sicherheit zu anderen Copernicus-Anwendungsfeldern ist, dass Daten nur auf Anfrage eben solcher behördlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden.

Copernicus Fachnetzwerk

Zur fachlichen Unterstützung wurde das nationale Copernicus Fachnetzwerk eingerichtet. Es besteht aus Fachkoordinatorinnen und Fachkoordinatoren, Fachexpertinnen und Fachexperten sowie den Copernicus Netzwerkbüros.

Wer Fragen zu Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Sicherheit hat, kann sich an die zuständigen Copernicus-Ansprechpersonen wenden wenden.