KeyVisual Nationales Forum für Fernerkundung und Copernicus

Nationales Forum für Fernerkundung und Copernicus

Satellitendaten sind aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Egal ob Navigation, Wettervorhersage oder Breitbandkommunikation, ohne Hilfe aus dem All würden große Teile unseres Alltags kaum noch funktionieren. Insbesondere Daten aus der Erdbeobachtung können in unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt werden. Sei es die Planung der Erzeugung von Solarenergie, die Sicherheit von Verkehrsinfrastruktur oder das Monitoring der Einhaltung von Umweltstandards – Behörden, Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Deutschland nutzen diese Daten intensiv und zunehmend für ihre Arbeit. Daher luden verschiedene Bundesministerien unter Federführung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) zusammen mit der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) vom 28.–30. April 2026 zum Nationalen Forum für Fernerkundung und Copernicus in das Europäische Raumflugkontrollzentrum ESOC in Darmstadt (https://archiv.d-copernicus.de/infothek/veranstaltungen/nationales-forum-2026/programm/).

Intelligente Energieplanung mit Satellitendaten

Seit 2018 verpflichtet die Europäische Union ihre Mitgliedstaaten, Energie-Sharing-Modelle einzuführen, um Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen zu ermöglichen, lokal erzeugten Strom schnell und direkt miteinander zu teilen – ein entsprechendes Gesetz, welches den Weg für Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften in Deutschland ebnet, soll im Juni 2026 in Kraft treten. Das entlastet das Stromnetz, fördert die Nutzung erneuerbarer Energien und beschleunigt die Energiewende. Das Projekt Copernicus-Daten für Energy Sharing (Co-DatES) unterstützt mit hochaufgelösten Satellitendaten die Analyse der räumlichen und zeitlichen Schwankungen von Sonneneinstrahlung und Energieverbrauch. Dadurch entstehen präzise Planungsgrundlagen für Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften und neue regionale Geschäftsmodelle können nachhaltig entwickelt werden – ein entscheidender Schritt zur praktischen Umsetzung der EU-Ziele.

Sicherheit von Verkehrsinfrastrukturen verbessern

In Deutschland sind Straßen, Schienen und Wasserwege über Jahrzehnte hinweg gebaut worden, doch der Untergrund auf dem sie stehen ist nicht überall gleich stabil. Bodenverschiebungen und -absenkungen durch natürliche Prozesse oder menschliche Einflüsse können langfristig zu Schäden an der Infrastruktur führen. Das Projekt Bodenbewegungsdienst – Verkehr (BBD-V) entwickelt einen Dienst, der diese Bewegungen überwacht. Mit Radar-Satellitendaten werden Bodenbewegungen im Millimeterbereich erfasst.

Das Ergebnis: Eine Web-App, die jährlich aktualisierte Informationen über solche Bodenbewegungen liefert. Nutzerinnen und Nutzer können aktuelle Daten analysieren und Veränderungen im Zeitverlauf visualisieren. So werden Risiken für Bauschäden früh erkannt und Wartungsmaßnahmen können frühzeitig und passgenau geplant werden.

Visualisierung der Bodenbewegung in Ahlen
Das Bild zeigt die Bodenhebung (blau) in Ahlen. Sensible Verkehrsinfrastruktur wird genau beobachtet. Credit: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe 2025, Contains modified Copernicus Sentinel data 2019-2023

Behörden bei der Überwachung Einhaltung von Umweltstandards unterstützen

In der Agrarpolitik spielt die Einhaltung von Umweltstandards eine zentrale Rolle – insbesondere bei der Vergabe von Subventionen. Eine wichtige Voraussetzung ist beispielsweise die Erhaltung eines guten landschaftlichen und ökologischen Zustands auf Grünland für eine hohe Biodiversität.

Im Projekt 3C (Copernicus Cross Compliance) wurde ein digitales Analysetool entwickelt, das die Überprüfung dieser Voraussetzungen unterstützt. Es nutzt Satellitendaten aus dem Copernicus-Programm, um Veränderungen in der Vegetation zu erkennen.

Behörden können online prüfen, ob auf einer Wiese Anomalien wie Überweidung, Verbuschung oder Veränderungen im Vegetationsstatus vorliegen. So werden Zeit, Ressourcen und Geld gespart. Statt aufwändiger Vor-Ort-Begehungen kann auf hochwertige, aktuelle Satellitendaten zurückgegriffen werden – ein wichtiger Schritt in Richtung Verwaltungsdigitalisierung.

Wale schützen mit KI und Satelliten

Der Service SPACEWHALE nutzt hochauflösende Satellitenbilder und Methoden der künstlichen Intelligenz, um detaillierte Einblicke in Verbreitung, Anzahl und Lebensräume großer Meeressäuger zu erhalten. Die Tiere werden erstmals großräumig erfasst, auch in abgelegenen Regionen, in denen klassische Erhebungen per Schiff oder Flugzeug nur eingeschränkt möglich sind.

Der Blauwal ist das größte Tier der Erde und dennoch ist seine Bestandsgröße bis heute nur unzureichend bekannt. Mithilfe hochauflösender Satellitenbilder können Blauwale inzwischen großflächig erfasst und gezählt werden.

Ein weiteres Ergebnis des Projekts ist die Sichtung der Walart der Südkaper in ihren traditionellen Aufzuchtgebieten rund um die Auckland Islands in Neuseeland. Nach Jahrhunderten intensiver Bejagung zeigen Satellitendaten erstmals, dass die Wale wieder in ihre traditionellen Aufzuchtgebiete zurückkehren.

Entwaldungsfreie Lieferketten

Die EU-Verordnung 2023/1115 (EUDR) verpflichtet Unternehmen, sicherzustellen, dass ihre Produkte – beispielsweise Palmöl und Soja – nicht aus entwaldeten Gebieten stammen. Doch wie kann man komplexe globale Lieferketten nachvollziehen?

Das Projekt RiMoDi (Risikobasierter Monitoring-Dienst zur nationalen Implementierung der EUDR) nutzt Satellitendaten, um entwaldungsfreie Lieferketten zu überwachen. Das System analysiert Landnutzungsflächen weltweit und stellt die Daten Behörden zur Verfügung. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung kann so schnell prüfen, ob Agrargüter aus Gebieten stammen, die zuvor bewaldet waren und für den Anbau der Rohstoffe gerodet wurden.

Copernicus-Sentinel-2 zeigt Rodungen in Bolivien
Copernicus-Sentinel-2 zeigt Rodungen in Bolivien. Die bolivianische Stadt Santa Cruz ist in der Mitte links zu sehen. Als eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt liegt dieses wichtige Handelszentrum am Fluss Pirai in den tropischen Tiefebenen im Osten Boliviens. Östlich der Stadt und insbesondere östlich des Flusses Guapay, auch Río Grande genannt, ist ein riesiges Mosaik aus landwirtschaftlichen Feldern zu erkennen. Noch in den 1960er Jahren war dies ein Gebiet mit weitgehend unzugänglichem, dichtem Amazonas-Regenwald. Das Bild wurde 2017 erstellt.
Credit: ESA

Veranstalter

  • Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
  • Bundesministerium des Innern
  • Bundesministerium für Verkehr
  • das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
  • Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
  • Deutsche Raumfahrtagentur im DLR